Hygiene in der Praxis: Checkliste
Saubere Abläufe schützen Patient: innen und Therapeut: innen und sind Grundlage eines sicheren Praxisbetriebs. Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Bereiche – von der Flächendesinfektion bis zum Verbrauchsmaterial.
Hygiene ist Teil der Arbeitssicherheit
In Therapiepraxen gelten dieselben Grundsätze wie in jeder anderen Einrichtung des Gesundheitswesens: Wer mit Menschen arbeitet, arbeitet mit biologischen Arbeitsstoffen. Daraus folgen eine Gefährdungsbeurteilung, ein schriftlicher Hygieneplan und regelmäßige Unterweisungen des Teams. Fachliche Orientierung geben die TRBA 250 für den Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen im Gesundheitswesen sowie die Empfehlungen der KRINKO zu Reinigung und Desinfektion von Flächen.
Praktisch heißt das: Abläufe werden einmal festgelegt, sind für alle nachlesbar und werden im Alltag auch dann eingehalten, wenn der Terminplan eng wird. Ein Hygieneplan, der in der Schublade liegt, schützt niemanden.
Die häufigsten No-Gos
- Flächen einsprühen. Sprühdesinfektion großer Flächen gilt als überholt: Sie setzt Aerosole frei, die eingeatmet werden können, und benetzt die Fläche ungleichmäßig. Standard ist die Wischdesinfektion mit vorgetränkten Tüchern. Sprühen bleibt Ausnahmen für schwer zugängliche Stellen vorbehalten.
- Beschädigte Liegen weiterbenutzen. Ein Riss im Bezug lässt sich nicht mehr sicher desinfizieren.
- Einwirkzeit ignorieren. Eine Fläche, die nach dem Wischen sofort trockengerieben oder direkt wieder belegt wird, ist nicht desinfiziert.
- Handschuhe statt Desinfektion. Einweghandschuhe ersetzen keine desinfizierten Hände – sie kommen zusätzlich und anlassbezogen zum Einsatz.
- Handschuhe mehrfach verwenden. Sie sind für eine einzige Anwendung bestimmt und werden nicht zwischendurch desinfiziert.
- Ringe, Armbänder und Uhren am Unterarm. Unter Schmuck lassen sich Hände nicht wirksam desinfizieren.
- Angebrochene Mittel ohne Datum. Ohne notiertes Anbruchdatum ist die Standzeit nicht nachvollziehbar; abgelaufene Präparate gehören entsorgt.
- Eigene Mischungen ansetzen. Konzentrationen und Einwirkzeiten stehen in der Herstellerangabe – abweichende Dosierung wirkt nicht zuverlässig und greift Materialien an.
Flächen- & Liegendesinfektion
Kontaktflächen wie Liege, Kopfstütze und Ablagen werden zwischen den Behandlungen gereinigt beziehungsweise desinfiziert – im Wischverfahren, nicht im Sprühverfahren. Gebrauchsfertige Desinfektionstücher sind dafür im Alltag am praktischsten, weil Dosierung und Benetzung stimmen.
Achte auf drei Punkte: eine geeignete Wirksamkeit, zum Beispiel VAH-gelistete Produkte, die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit und die Materialverträglichkeit mit dem Liegenbezug. Alkoholische Mittel greifen manche Kunstleder auf Dauer an und lassen sie spröde werden – im Zweifel gibt der Liegenhersteller die freigegebenen Präparate an.
Ein Riss im Bezug beendet den Einsatz
Der Bezug einer Therapieliege ist eine Hygienefläche. Er kann seine Aufgabe nur erfüllen, solange die Oberfläche vollständig geschlossen ist. Sobald ein Riss, eine offene Naht oder eine aufgeplatzte Stelle vorhanden ist, dringen Feuchtigkeit und Verunreinigungen in die Polsterung ein. Diese Stellen lassen sich nicht mehr wischdesinfizieren – die Liege entspricht damit nicht mehr den Hygieneanforderungen.
Prüfe die Bezüge deshalb regelmäßig, besonders an den beanspruchten Kanten, an der Kopfstütze und rund um die Gesichtsöffnung. Kleine Schäden lassen sich je nach Modell durch einen Austausch des Bezugs oder des Polsters beheben; bei älteren Liegen ist der Ersatz meist die wirtschaftlichere Lösung. Wichtig ist nur: Provisorien mit Klebeband sind keine Reparatur.
Liegenauflagen & Einwegmaterial
- Hygiene- beziehungsweise Liegenauflagen, etwa Papier- oder Vliesrollen, pro Behandlung wechseln
- Kopfstützenbezüge oder Einwegabdeckungen verwenden
- Textile Bezüge regelmäßig waschen, abwischbare Bezüge zusätzlich desinfizieren
- Saubere und benutzte Wäsche getrennt lagern und transportieren
Hände: Schutz und Desinfektion
Die Desinfektion der Hände ist die wirksamste Einzelmaßnahme im Praxisalltag – und gleichzeitig eine Belastung für die Haut. Beides gehört zusammen gedacht:
- Hände vor und nach jedem Kontakt mit Patientinnen und Patienten desinfizieren
- Spender gut erreichbar anbringen, dort wo sie gebraucht werden
- Einwirkzeit einhalten und die Hände vollständig benetzen, Fingerkuppen und Daumen eingeschlossen
- Unterarme frei halten: keine Ringe, Armbänder oder Uhren
- Hautschutz- und Pflegemittel bereitstellen und einen Hautschutzplan im Team festlegen
- Desinfektion ist hautschonender als häufiges Waschen – Waschen nur bei sichtbarer Verschmutzung
Einweghandschuhe: Verträglichkeit prüfen
Handschuhe schützen bei Kontakt mit Blut, Sekreten, offenen Hautstellen oder beim Umgang mit Desinfektionsmitteln. Bei der Auswahl geht es nicht nur um die Größe:
- Latexfrei bevorzugen. Naturlatex kann Allergien auslösen – bei dir, im Team und bei den Patientinnen und Patienten. Nitril ist der verbreitete Standard.
- Nur puderfreie Handschuhe. Gepuderte Produkte sind im medizinischen Bereich nicht mehr zulässig, weil der Puder Allergene verteilt.
- Verträglichkeit im Team abfragen. Bekannte Unverträglichkeiten gegen Materialien oder Beschleuniger vorher klären und Alternativen vorhalten.
- Tragedauer begrenzen. Handschuhe erzeugen ein feuchtes Milieu; lange Tragezeiten belasten die Haut zusätzlich.
- Hände vorher trocknen lassen. Handschuhe erst über vollständig getrocknete Hände ziehen.
Verbrauchsmaterial & Lagerung
Ein definierter Mindestbestand an Verbrauchsmaterial verhindert Engpässe – gerade bei Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Auflagen. Lagere Materialien sauber, trocken und übersichtlich, kontrolliere Haltbarkeiten regelmäßig und notiere bei angebrochenen Gebinden das Anbruchdatum.
- Hygieneplan vorhanden, aktuell und dem Team bekannt
- Flächen und Liege zwischen den Behandlungen wischdesinfizieren, Einwirkzeit einhalten
- Liegenbezüge auf Risse und offene Nähte prüfen, beschädigte Bezüge ersetzen
- Liegen- beziehungsweise Hygieneauflage pro Patientin und Patient wechseln
- Kopfstützenbezug oder Einwegabdeckung erneuern
- Hände vor und nach jedem Kontakt desinfizieren, Hautschutzmittel bereitstellen
- Latexfreie, puderfreie Handschuhe vorhalten, Verträglichkeit im Team geklärt
- Desinfektionstücher und -mittel griffbereit, Anbruchdatum notiert
- Wäsche regelmäßig waschen, saubere und benutzte Wäsche getrennt halten
- Verbrauchsmaterial auffüllen, Haltbarkeiten prüfen
- Abfälle sachgerecht entsorgen
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Hygiene-Sortiment ansehen VerbrauchsmaterialHäufige Fragen
Wie oft sollte die Liege desinfiziert werden?
Kontaktflächen werden zwischen den Behandlungen gereinigt bzw. desinfiziert; sichtbare Verunreinigungen sofort.
Worauf bei Desinfektionstüchern achten?
Auf ausreichende Wirksamkeit (z. B. VAH-Listung) und Materialverträglichkeit mit dem Liegenbezug.
Reichen abwischbare Bezüge aus?
Abwischbare Bezüge erleichtern die Desinfektion; zusätzlich sind Hygieneauflagen je Behandlung sinnvoll.
